"Brideshead Revisited"

Der 1945 erschienene Roman "Brideshead Revisited. The Sacred & Profane Memories of Captain Charles Ryder" (einen kurzen Überblick über den Roman findet man hier oder hier) ist das meistgelesene Werk des englischen Schriftstellers Evelyn Waugh (1903 - 1966).

Der Ich-Erzähler Charles Ryder, der in diesem Buch auf sein Leben zurückblickt, in Friedenszeiten ein erfolgreicher Kunstmaler, dient zu Beginn des Romans als Hauptmann der britischen Infanterie, zu seiner großen Unzufriedenheit allerdings nicht an der Front, sondern im Herzen Englands.

Nach einem Umzug seiner Einheit entdeckt Ryder, dass die Armee das neue Militärlager an einem Ort errichtet hat, der für ihn den ganzen Zauber seiner Jugend verkörpert: Brideshead, dem früheren Landsitz des Marquis von Marchmain.

Brideshead wiederzusehen, löst eine Flut von Erinnerungen aus, von denen Ryder im Hauptteil des Romans erzählt:

Erinnerungen an seinen Jugendfreund Sebastian, den jüngsten Sohn der Familie; Erinnerungen an ihre gemeinsame Studienzeit in Oxford; an die Welt einer katholischen Adelsfamilie, in der nichts so ist, wie es zu sein scheint; Erinnerungen schließlich an ein Leben, das so ganz anders verlaufen ist, als Ryder sich dies als junger Mann erträumt hatte.

Viele, die den Roman gelesen haben, erinnern sich an die in glühenden Farben gezeichneten Jugendzeit des Erzählers und haben oft ganz vergessen, wieviel Unglück die Protagonisten heimsucht: Trunksucht, Intrigen, gescheiterte Ehen, Krankheit und Tod.

Nach menschlichem Ermessen erzählt Ryder nicht von geglückten, sondern von gescheiterten Leben. Waugh selbst freilich sah dies anders:

Er schrieb über das Werk, sein Thema sei "the operation of divine grace on a group of diverse but closely connected characters".

Göttliche Gnade oder nur ein deus ex machina, der retten soll, was nicht zu retten ist?

Das ist eine der vielen Fragen, die wir uns hier im Blog stellen wollen.