Freitag, 3. Februar 2012

Über Aloysius &

Castle Howard
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Einer der bekanntesten Teddybären der gehobenen Literatur hört auf den schönen Namen Aloysius (eine Latinisierung des germanischen „Ludwig“ althochdeutsch „hluth“ wie berühmt und „wig“ wie Kampf, Krieg, und schon wird die Idylle doppelbödig). Ich gestehe, es ist der einzige bekannte Teddybär der gehobenen Literatur, den ich namentlich kenne, aber daß Dinge einzigartig sind, ist eher selten, also wird es mehr geben, von denen ich nur nichts weiß, vielleicht.

Bei Unterhaltungen über Teddybären kommt mir häufig Aloysius, Sebastians Aloysius in den Sinn. Ich will hier nicht ausbreiten, warum mich „Brideshead Revisited“ (erst die Serie, später das ihr zugrundeliegende Buch von Evelyn Waugh) noch immer derart beeindruckt, denn die Faszination dauert an bis heute. Ein Engländer zumal mag es fraglich oder erstaunlich finden, was gerade an seiner Aristokratie denn derart poetisch sein solle, daß es das Herz und die Erinnerung zu so weitausholenden Flügelschlägen veranlaßt, aber im Untergang zeigt manches erstaunliche Farben. Denn vom Niedergang (zu fürchten ist, genauer gesagt wäre vom Untergang) der britischen Aristokratie handelt jenes Buch, und von dem Vergessen-Werden der Natur der Dinge, von den neuen unvollständigen Menschen und vom Trost der Religion und vom Abenteuer der Freundschaft, davon auch.

„Brideshead“ ist ein Buch, das sein Geheimnis gegen zudringliche Blicke bewahrt, und was wäre ein Urteil anderes? Als würde man mit groben Fingern in einen diffizilen Organismus greifen. Was nun, wenn man aber dennoch etwas sagen wollte? Vielleicht indem man auf einzelne Worte blickt, denn es enthält viele solcher Art, die es vermögen, schlagartig verschwommene Einsichten zu klären oder je eigene Erinnerungen aufzureißen, sofern jemand auf derlei Empfindungen ernsthaft etwas gibt. Und dann nimmt dieses Buch einen bei der eigenen Traurigkeit und hinein in seine, und auf einmal ist man in einem gemeinsamen Raum, in dem man erkennt, wie die Dinge sein sollten, wenn sie richtig wären, und wie die Welt aussähe, wenn sie geheilt wäre.

Teddybär, aus Deutschland, etwas 1954
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Das Zeitalter Hoopers

Hooper, ein junger Offizier, erscheint dem Erzähler Charles Ryder wie ein Musterexemplar des neuen Menschentypos, der sich jetzt durchsetzten sollte und man bekommt dabei eine Ahnung, warum man sich in einem Zeitalter des Verlustes befindet:

„Hooper hatte nichts Romantisches. Er war als Kind nicht auf Knecht Ruprechts Pferd gesessen oder am Lagerfeuer gehockt; in dem Alter, in dem mir außer Gedichten nichts Tränen in die Augen treiben konnte …. hatte Hooper oft geweint, doch niemals über Henrys Rede am St.-Crispins-Tag oder den Grabspruch für die in den Thermophylen Gefallenen. In der Geschichte, die er gelehrt worden war, hatte es nur wenige Schlachten gegeben … diese sowie die Schlacht im Westen, in der König Artus fiel, und Hunderte solcher Namen, deren Fanfarentöne mich über all die vergangenen Jahre hinweg selbst noch in dieser dürren, entarteten Zeit unwiderstehlich anriefen, erklangen für Hooper vergeblich.“

“Hooper was no romantic. He had not as a child ridden with Rupert's horse or sat among the camp fires at Xanthus-side; at the age when my eyes were dry to all save poetry … Hooper had wept often, but never for Henry's speech on St Crispin's day, nor for the epitaph at Thermopylae. The history they taught him had had few battles in it … these, and the Battle in the West where Arthur fell, and a hundred such names whose trumpet-notes, even now in my sere and lawless state, called to me irresistibly across the intervening years with all the clarity and strength of boyhood, sounded in vain to Hooper.”

Dennoch wird dieser Hooper nicht etwa als unsympathisch beschrieben, es ist eine Art resignierender Sympathie, die dort mitschwingt. Das ist deutlich anders in der Beschreibung eines verbissen ehrgeizigen Politikers, in der auch der Schlüssel für den Verlust geliefert wird – das Zeitalter der unvollständigen Menschen, die vieles nicht sehen können, das offen zutage liegt, Dinge von großer Schönheit zerstören, weil sie deren Schönheit nicht erkennen, oder ihr keine Bedeutung beimessen…

"Weißt du, Pater Mowbray fand sofort die Wahrheit über Rex heraus… Er war einfach nicht ganz da. Er war überhaupt kein vollständiger Mensch. Er war ein unnatürlich entwickeltes Stückchen von einem Menschen; etwas in einem Glas, ein in einem Laboratorium am Leben erhaltenes Organ. Ich hatte gemeint, er wäre so etwas wie ein primitiver Wilder, aber er war etwas völlig Modernes und Neuzeitliches, wie nur unser gräßliches Zeitalter es hervorbringen kann. Ein winziges Stückchen von einem Mann, das so tat, als wäre es der ganze Mann."

"You know Father Mowbray hit on the truth about Rex at once… He simply wasn't all there. He wasn't a complete human being at all. He was a tiny bit of one, unnaturally developed; something in a bottle, an organ kept alive in a laboratory. I thought he was a sort of primitive savage, but he was something absolutely modern and up-to-date that only this ghastly age could produce. A tiny bit of a man pretending he was the whole."

Über Sebastian und das Scheitern

„Er ließ nicht nach in der Liebe, aber er verlor seine Freude daran, denn ich war nicht mehr Teil seiner Einsamkeit.“

“He did not fail in love, but he lost his joy of it, for I was no longer part of his solitude.”

Ein Satz von zeitloser Tiefe zunächst. Aber auch einer, der beide, Sebastian und Charles klar zeichnet und andeutet, daß so wie Sebastian dem Augenschein nach äußerlich scheitert, möglicherweise Charles in anderer Weise versagt.

“As my intimacy with his family grew, I became part of the world which he sought to escape; I became one of the bonds which held him.”

“Als meine Vertrautheit mit seiner Familie wuchs, wurde ich zu einem Teil der Welt, der er zu entrinnen suchte, ich wurde zu einer der Fesseln, die ihn hielten.”

Charles fühlt sich offenbar aus einer gewissen beschränkenden Sehnsucht heraus zu sehr von dieser Familie, dieser Welt von einer Familie angezogen, und wird hinübergezogen, verliert darüber Sebastian und zunächst, so scheint es, dann auch sich selbst.

Wir brechen hier ab. Zweck dieser Zeilen war auch nur, mit wenigen Zitaten auf das zu deuten, was das Buch ausmacht, und wie ich schon befürchtend anmerkte, vermutlich mit allzu groben Fingern.

Kommentare:

  1. Der bekannteste Aloisius in der Catholica ist wohl jener von Gonzaga. Ein junger römischer Jesuit, der Kranke pflegte, mit der Pest infiziert wurde und als 23-jähriger starb.

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    1. Der Heilige Aloysius ist ja auch der Schutzheilige der christlichen Jugend; dass er für den Namen des Teddys Pate gestanden hat, scheint mir deshalb wahrscheinlich.

      Und dann deutet die Namenswahl wohl auch auf Sebastians Leben und Sterben voraus.

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  2. Hm, ich habe eben erst entdeckt, wie wieder einmal meiner Halbbildung aufgeholfen wurde. Ich werde versuchen, heute Abend mit einem kleinen Beitrag dafür zu danken.

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